Das Gleichnis von der kleinen „Hosentaschen-Sub“
Eine kleine Geschichte über Submission, Grenzen, Beziehung und Selbstverständnis
Es war einmal eine Frau, die war ziemlich glücklich. Verheiratet, hatte ein Kind, einen Beruf, ungefähr 42 offene Tabs im Kopf und einen ausgesprochen gut strukturierten Alltag.
Und dann entdeckte sie, dass irgendwo in ihr eine kleine Sub wohnte.
Die kleine Sub war zunächst ziemlich aufgeregt.
„Hallo“, sagte sie. „Ich glaube, ich möchte Aufmerksamkeit.“
„Wie viel?“, fragte die Frau.
Die kleine Sub dachte kurz nach.
„Ja…hm, das weiß ich nicht.“
Das erwies sich als etwas komplizierter.
Also lernte die Frau Menschen kennen.
Sie lernte Dynamiken kennen.
Sie lernte, dass es Männer gab, die sehr dominant wirkten.
Sie lernte, dass ein Hotelzimmer erstaunlich viel Platz für eine ganze Lebenswendung bot.
Und sie lernte, dass man einen Menschen treffen, sechs oder sieben Stunden miteinander verbringen und anschließend ziemlich genau wissen konnte, dass man gerade etwas erlebt hatte, das man seinen Enkeln vermutlich nicht beim Sonntagskaffee erzählen würde.
Die kleine Sub war begeistert.
„Das war toll!“, sagte sie.
„Ja“, sagte die Frau.
„Machen wir das nochmal?“
Die Frau überlegte.
„Vielleicht.“
Und irgendwann stellte sie fest, dass sie offenbar eine ganz besondere Kategorie Mensch geworden war: Eine Hosentaschen-Sub.
Die kleine Sub wohnte nicht wirklich in der Hosentasche. Das wäre logistisch auch schwierig gewesen. Sie wohnte jetzt in einem Smartphone. Und dort wartete sie. Wenn er Zeit hatte, nahm er sie heraus. Wenn er keine Zeit hatte, steckte er sie wieder ein.
Man wurde nämlich nicht unbedingt angerufen, weil man einen festen Platz im Leben des anderen hatte.
Man wurde angerufen, wenn gerade Platz war.
Wenn Termine passten.
Wenn das Leben des anderen zufällig eine kleine Lücke bot.
Dann wurde man aus der Hosentasche gezogen:
„Na, du?“
Und die kleine Sub sprang jedes Mal begeistert in die Luft.
Bis die Frau eines Tages innehielt.
Sie betrachtete die kleine Sub.
„Du“, sagte sie, „ich glaube, du magst gar keine Hosentaschen.“
Die kleine Sub sah sie erschrocken an.
„Nicht?“
„Nein.“
„Aber ich dachte …“
„Du möchtest jemanden, der dich wirklich komplett in seinem Leben haben will.“
Die kleine Sub schwieg.
Dann nickte sie.
„Und viel Aufmerksamkeit.“
„Ja.“
„Und Verbindlichkeit.“
„Ja.“
„Und du möchtest nicht heimlich sein.“
„Nein.“
„Und du möchtest nicht warten, bis jemand gerade Zeit hat.“
„Nein.“
Die kleine Sub dachte lange nach.
„Dann“, sagte sie schließlich, „möchte ich eigentlich ziemlich viel.“
Die Frau lächelte.
„Ja. Aber ich glaube, das darfst du.“
Und so ging sie nach Hause.
Dort wartete ihr Mann.
Und plötzlich sah die Frau etwas, das sie vorher vielleicht übersehen hatte:
Die kleine Sub musste gar nicht auswandern.
Sie musste nur endlich richtig einziehen.
In die Ehe.
Ins gemeinsame Leben.
In die echten Gespräche.
In die kleinen Rituale.
In die Dynamiken, die langsam wachsen konnte.
Und dort fühlte sie sich erstaunlich wohl.
Denn zum ersten Mal musste sie nicht aus irgendeiner Hosentasche gezogen werden.
Sie hatte einen festen Platz.
Und manchmal, wenn die Frau nun an ihre Vergangenheit dachte, musste sie lachen.
Denn eines Tages würde sie vielleicht eine alte Frau sein und ihren Enkeln gegenüber sitzen.
Und wenn die fragten:
„Oma, was hast du eigentlich gemacht, als du jung warst?“
Dann würde sie vermutlich sagen:
„Ach, Kinder. Ich habe Leben gesammelt.“
Und irgendwo ganz hinten in ihrem Kopf würde eine kleine Sub sitzen, breit grinsend die Beine baumeln lassen und denken:
„Und was für eines.“
Submission bedeutet nicht, sich kleiner zu machen, um in ein Smartphone oder in eine Hosentasche zu passen. Im Gegenteil. Sie kann helfen, einen Teil von dir besser kennenzulernen – und herauszufinden, was dieser Teil braucht, um sich wirklich gesehen zu fühlen und sich frei entfalten zu können.
Vielleicht hast du schon einmal ein ähnliches Erlebnis gehabt wie diese kleine Sub. Und dann gedacht:
Ich möchte eigentlich gar keine Hosentaschen-Sub sein. Ich möchte mit meiner Submission einen Platz in meinem echten Leben haben?